Intarsienparkett
Quelle:
Fachbuch für
Parkettleger
und Bodenleger
www.sn-verlag.de
Mit dem Übergang vom Barock zum Rokoko wurden die Parkettböden noch aufwendiger. Durch die Verfeinerung der Gestaltung von Decken und Wänden wurden an den Fußböden immer höhere Ansprüche gestellt. Die künstlerische Gestaltung rückte immer mehr in den Vordergrund.
Mit dem Tafelparkett konnte der Wunsch nach geschwungenen Formen nicht
realisiert werden, und so hielten Einlegearbeiten, bei denen man verschiedene
Materialien, z.B. bunte Hölzer aber auch Metalle und Elfenbein, mit beliebigen
geschweiften Linien zu
einem Ornament oder einem Bild zusammenfügen und in den Fußboden einlegen
konnte, ihren Einzug in den Holzfußbodenbau.
Vorbilder der Schmuckfußöden waren Einlegearbeiten aus Naturstein, die
so genannten Pietra-dura-Arbeiten, und die Intarsienarbeiten aus dem Möbelbau.
In zahlreichen Beispielen ist das Muster des Schmuckfußbodens auf die Raummitte ausgerichtet. Diese wird durch eine reich verzierte Rosette, eine Kartusche oder auch durch ein Wappen hervorgehoben.
Gerne hat man die Einlegearbeit der späteren Raumnutzung angepasst. So stellte man z.B. im Musikzimmer verschiedene Musikinstrumente, im Jagdzimmer verschiedene Jagdszenen und im Kronsaal das Wappen dar. Ein durchgängiges Raumprogramm mit eingelegten Böden ist vor allem in Residenzen kirchlicher oder weltlicher Herrscher zu finden. Bei kleineren Schlössern beschränkten sich reich verzierte Intarsienböden auf einzelne, kleine Kabinette.
Die Schmuckfußböden sind von Künstlern entworfen und von den Kunstschreinern und Ebenisten im Dienste der Herrschaft ausgeführt worden.
Mit dem Übergang vom Rokoko in den Klassizismus wurde keineswegs auf die Intarsien verzichtet. Lediglich die Ornamentik wechselte von aufwendigen asymetrischen Rocailles auf einfachere, klare symmetrische Ornamente der Griechen und Römer. Ein besonders schönes Beispiel hierfür sind die Parkettböden im Königsbau der Residenz in München.
Viele Ornamente der klassizistischen Intarsienböden wurden später für die Gestaltung von Randfriesen kopiert. Man ging im Laufe der Zeit dazu über, die gesamte Fläche mit einfachen Tafeln bzw. Riemen aus ein bis zwei verschiedenen Holzarten zu belegen. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Rand- bzw. Friesgestaltung gelegt. In den Friesen findet man dann Ornamente, wie Mäander, laufender Hund, Perlschnur und Eierstab aus der griechischen Antike wieder.
Die heute wieder aktuell werdenden Betonungen der Raummitte und Randfriese mit eingelegten Adern oder mit durch Lasertechnik geschnittenen Ornamenten lassen sich auf die Vorbilder der Intarsienböden zurückführen.
Die Intarsienböden:
Der Ausdruck Intarsienboden wird als Bezeichnung für eingelegte Holzfußböden verwendet, die
mit unterschiedlichen Techniken hergestellt sind.
Die Herstellungsverfahren werden als Intarsie oder als Marketerie bezeichnet.
Die Intarsie
ist die Einlage von Ornamenten in massive Hölzer. Aus dem massiven Holz wird eine
Hohlform herausgearbeitet, die anschließend formschlüssig mit einem anderen
Holz oder mit Elfenbein oder Metallen etc. ausgefüllt wird.
Die Marketerie ist die Weiterentwicklung der Intarsie. Bei der Marketerie
werden verschiedene Furnierteile zu einem Ornament oder einem Bild
zusammengesetzt und auf eine Blindtafel geleimt.
Die Sägetechnik nahm ohne Zweifel eine Schlüsselstellung bei der Herstellung von Einlegearbeiten ein. Das wichtigste Werkzeug war die Laubsäge, die aus einem Spannbügel, der zur Aufnahme von auswechselbaren Sägeblättern diente, und einem Haltegriff bestand. Während heute im allgemeinen die vertikale Führung der Säge bevorzugt wird, wurde zur damaligen Zeit das Werkstück senkrecht in die Halterung eingespannt. Dies hatte den Vorteil, dass das feine Sägemehl zu Boden fallen konnte, ohne den Riss des vorgezeichneten Bildes störend zu bedecken.
Durch das Schneiden mit der Laubsäge entsteht eine Fuge, die der Dicke des Sägeblattes entspricht. Um den optischen Charakter einer Intarsie hervorzuheben, kann eine dunkle Fuge durchaus erwünscht sein. Dann wurde die Fuge mit einem Gemisch aus Holzstaub, feingestossener Holzkohle und tierischem Leim ausgefugt.
Oft ist eine deutlich wahrnehmbare Fuge aber störend. Um auch fugenfreie Schnitte ausführen zu können, wurde die Laubsäge zu einer Schwingrahmensäge mit schrägstellbarem Tisch weiterentwickelt.
Die Schwingrahmensäge ermöglichte es durch einen schrägen Doppelschnitt, die ineinanderzupassenden Holzschichten gleichzeitig zu schneiden. Dadurch bekam man einen fugenfreien Sägeschnitt. Bei der Schwingrahmensäge wurde nicht das Sägeblatt aus der Senkrechten gebracht, sondern der Arbeitstisch wurde schräg gestellt. Die gleich Wirkung konnte man auch durch das Auflegen einer Schrägauflage erreichen. Das Schattieren war eine Möglichkeit die perspektivische Wirkung einer Intarsie zu verstärken. Die Kunstschreiner verstanden es vorzüglich, mit Hilfe der Struktur der verwendeten Hölzer und durch das Schattieren eine gewisse Tiefenwirkung in die Intarsien zu bringen. Das Bild wirkte dadurch räumlich und sehr lebhaft.
Zum Schattieren wurden die entsprechenden Intarsienteile so lange in heißem Sand eingelegt, bis eine Verfärbung eintrat. Diese Verfahrensweise verlangte von den damaligen Kunstschreinern eine gute Holzkenntnis und sehr viel Routine, um der Intarsie einen harmonischen Ausdruck zu verleihen.
Der Untergrund für die Intarsie bestand oft aus einem geschlossenen Blindholzrahmen. Dieser wurde aus Nadelholz zweilagig mit im rechten Winkel zueinander laufenden Brettlagen hergestellt und mit Nut und Feder versehen.
Die Intarsien wurden mittels Haut-, Knochen- oder Fischleim auf den Blindholzrahmen aufgeleimt. Die verwendeten Warmleime waren zwar in der Verarbeitung aufwendig, hatten aber den Vorteil, dass sie Hohlräume ausfüllen konnten. Die Leimflächen konnten deshalb leicht uneben sein. Bemerkenswert ist die Festigkeit der Leime, die die Intarsienböden über Jahrhunderte hin gebrauchstüchtig erhalten haben.
Die Holzmalerei wurde dort eingesetzt, wo die Mittel für einen Intarsienboden nicht ausreichten. Vor allem im 19. Jahrhundert sind viele Beispiele für parkettimitierende Malerei auf Dielenböden erhalten. Im aufsteigenden Bürgertum versuchte man so, den gehobenen Wohn- und Repräsentationsansprüchen gerecht zu werden.
Parkett ...ein Stück Persönlichkeit
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